Wer bin ich? Was will ich? Was kann ich tun?

Stress

Traumaverarbeitung

Donnerstag, 14. September 2017 - 15:57

Viele Situationen können traumatisch sein – sie können und werden aber auch von vielen Betroffenen als „belastende Lebensereignisse“ verarbeitet, mit geringfügigen Beeinträchtigungen oder gar ohne Krankheitsfolgen. „Damit ein Ereignis zum Trauma für einen Menschen werden kann, muss eine Dynamik in Gang kommen, die das Gehirn des Betroffenen buchstäblich „in die Klemme bringt“ und es geradezu dazu nötigt, auf besondere Weise mit diesem Ereignis umzugehen“ (Huber, 2005, S. 38).

Die Biologie des Traumas
Das menschliche Notfallsystem hat das Ziel, den Menschen bei Gefahr möglichst schnell handlungsfähig (kampf- oder fluchtfähig) zu machen. Hat der in Gefahr geratene Mensch aber situationsbedingt keine Handlungsmöglichkeiten, führt das zu einer konstanten Stresserhöhung – ohne erlösende Aktion, und damit zur Überflutung mit aversiven Reizen.

Ein Mensch, der mit bedrohlichen Reizen („Alarm“) überflutet wird, aber weder kämpfen noch fliehen kann, steckt in der „Traumatischen Zange“: NO FIGHT, NO FLIGHT (Huber, 2005). Das entspricht auf der Ebene des subjektiven Erlebens dem Gewahr werden: „Da komme ich nicht mehr raus“, „das war´s“, „jetzt ist es aus“.

Ist weder Kampf noch Flucht möglich ist, kommt es in dem „hochgefahrenen“ Organismus zu einer Erstarrungsreaktion („FREEZE“). Schmerzbetäubende Botenstoffe werden ausgeschüttet und erlauben es dem Menschen „wegzutreten“, nichts mehr zu spüren, zu dissoziieren. Der Mensch tritt bei vermeintlicher oder tatsächlicher Todesnähe in einen veränderten Bewusstseinszustand ein. Er nimmt die bedrohliche Situation etwa „wie aus weiter Ferne“ wahr, so, „als ob es jemand anderem passiert“, „unwirklich“ (Derealisation, Depersonalisation).

Es kann zu einem „Zersplittern“ der Wahrnehmung kommen: das Ereignis wird nur noch fragmentiert wahrgenommen, nicht mehr zusammenhängend: Ein Schutzmechanismus der Natur in ausweglosen Situationen, welches sich FRAGMENT nennt. Kommt es zum FREEZE (und eventuell auch) FRAGMENT Erfahrungen, sprechen wir von einem Trauma.

Solche Extremstresserfahrungen haben eine nachhaltige Wirkung auf das Gehirn und es dauert „normalerweise“ zwischen einigen Tagen bis Wochen, bis das Nervensystem sich wieder reguliert hat. Der Mensch ist ein „geborener Traumaverarbeiter“ und sehr häufig überstehen wir Traumata unbeschadet. Manchmal gelingt diese Regulation jedoch nicht und es kommt es zu einer dauerhaften Störung der Stressverarbeitung: einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder gar einer durch Extremstress bedingten Persönlichkeitsveränderung.

Posttraumatische Informationsverarbeitung

Das Trauma hat Spuren im Gehirn hinterlassen, die Informationsverarbeitung läuft anders als vorher. Reize, die auf irgendeine assoziative Weise mit dem Trauma in Verbindung gebracht werden können, werden – auch wenn sie harmlos sind – von der Amygdala traumatisierter Menschen als hoch bedrohlich eingestuft. Wie bei der akuten Stressreaktion wird die Großhirnrinde in die weitere Informationsverarbeitung nicht mit einbezogen, es läuft das „Stressprogramm“ ab, ohne dass das Bewusstsein eingreifen kann. (Jedenfalls nicht auf direktem Weg!) Jedes Mal, wenn die Betroffenen mit einem „Trigger“ (auslösendem Reiz) in Kontakt kommen, kommt es erneut zu einer „Stresshormonkaskade“.

Beispiele: Kriegstraumatisierten Soldaten bricht bei Silvesterknallern der Schweiß aus, Rauch von einem Gartengrill löst bei Überlebenden eines Großbrandes Panikattacken aus, Überlebende der Anschläge vom 11. September bekommen Herzrasen beim Anblick eines tief fliegenden Flugzeugs, etc. Auf die Dauer verändern die ständigen Stresshormon-Ausschüttungen die Steuermechanismen der Stressverarbeitung – mit weitreichenden Folgen: Es entstehen dysfunktionale Stressverarbeitungsmuster, eine so genannte „Stressphysiologie“.

Physiologische Langzeitfolgen einer Traumatisierung
Bei einer „Stressphysiologie“ hat das Nervensystem die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, verloren. Medizinisch gesehen, ist die „Stresshormon-Achse“ (HPA-Achse) aus dem Lot geraten.

HPA-ACHSE (deutsch auch: HHN-Achse).

Hypothalamus (hormonelle Steuerzentrale im Gehirn), schüttet das „Releasing Hormon“ aus, das die Hypophyse anregt, wiederum das Steuerhormon ACTH zu produzieren.

Pituitary Gland“, Hypophyse. Hirnanhangdrüse. Produziert auf „Befehl“ des Hypothalamus „ACTH“, ein Steuerhormon, das in der Adrenal Gland, Nebenniere, zur Ausschüttung von Kortisol führt. Ist der Kortisolspiegel im Blut auf ein bestimmtes Level gestiegen, wird das von Rezeptoren im Hypothalamus festgestellt und die Kortisolproduktion wird gestoppt (Negativer Rückkopplungsmechanismus). Auf der Ebene des subjektiven Erlebens lässt dann der Stress nach, der Mensch „beruhigt sich“. In einem durch Trauma geschädigten Nervensystem sind die stressverarbeitenden hormonellen Regelkreise chronisch „hochgefahren“. Sie stehen auf „Daueralarm“ – mit der Folge, dass Kleinigkeiten wie Alltags-„Nervereien“, Gedränge in der überfüllten Straßenbahn etc. genügen, um ein subjektives Gefühl von Extremstress auszulösen.

Darum versuchen Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen möglichst, nicht nur spezielle traumaspezifische „Trigger“ (z.B. Autobahnfahren nach Unfalltrauma) zu vermeiden, sondern häufig auch jede Form äußerer Anforderungen. Die Stress-Schwelle ist so erniedrigt, die Stress-Toleranz so stark verringert, dass beruflicher Stress, Alltagsärger oder Beziehungsschwierigkeiten wie Extremstress empfunden werden.

Der negative Rückkopplungsmechanismus wird geschädigt, was anfangs zu einem zu hohen und langfristig zu einem zu niedrigen Kortisolspiegel im Blut führt. Insofern ist eine posttraumatische Störung eine STRESSVERARBEITUNGSSTÖRUNG, die so schwerwiegend sein kann, dass der normale Alltag nicht mehr zu bewältigen ist.

Es liegt eine Posttraumatische Belastungsstörung vor, wenn:

Fallbeispiele:

Obwohl das Erdbeben schon seit einigen Tagen vorbei ist, hat Lara immer noch das reale beängstigende Gefühl dass der Boden unter ihr sich wieder bewegt.

Denise ist das Opfer einer Vergewaltigung gewesen. Noch Wochen später empfindet sie das bedrohliche Gefühl, dass der Täter wieder in ihrer Nähe ist.

 In der Phase der Krise zeigen Betroffene die folgenden charakteristischen Symptome:

  • Ängste, Bedrohungsgefühle
  • Flashbacks
  • Schlafstörungen und Albträume
  • Vermeidungsverhalten
  • Depressionen
  • Aggressionen und Wut
  • Scham- und Schuldgefühle
  • Störungen des Essverhaltens
  • tatbezogene Zwänge
  • Somatoforme Störungen

Sollten Sie solche oder ähnliche Symptome haben, dann nehmen Sie bitte Kontakt zu einem Psychiater oder Psychologen auf.

Beate Landgraf


Determinants of Well-Being and the Link between Warfare and Trauma

Donnerstag, 16. Februar 2017 - 09:27

There is definitely a link between warfare and trauma, because individual and societal suffering during all ages is omnipresent. For example, Germany still has to deal with individuals who have been victimized during World War II. Elderly in their retirements home wake up screaming because their past horrors come back in their dreams. Thus, collective traumas due to warfare influence those involved and the generation after.

Salutogenesis and Pathology

Well-being might superficially be defined as the absence of psychopathology; and psychopathology is described as ”problematic patterns of thoughts, feelings, or behaviours that disrupt an individual’s sense of well-being or social or occupational functioning”. Well-being is an umbrella term that includes features like happiness, prosperity, complete satisfaction, inner balance, meaning in life, self-actualisation, positive social exchange with others, self-acceptance, personal growth, environmental mastery and autonomy. Live span development studies point to different agents of well-being in regard to different age groups, individual or societal views, is related to gender, short- or long-term well-being and social economic status.

From the biopsychosocial perspective, salutogenesis is promoted by healthy alimentation, regular sport, hardy personality, resilience factors like the competency to set up and to arrange solutions, self-esteem and self-evaluation of one’s abilities, good communication and problem solving skills, marked emotion regulation capacity, supportive family, friends, society and positive role models. Other determinants of salutogenesis are idiosyncratic features like creativity and spirituality. Additionally, religious groups feature “comforting rituals and supportive social contact” including the individualistic concept of meaning in life. For example, natural wound healing seems to be increased in individuals who are deistic. Moreover for some individuals, religious faith increases one’s resilience by conforming to the norm and as such buffering against distress. A further agent to individual resilience is having overcome mild to moderate traumas, which helps to increase one’s coping skills. The same can be said for individuals who believe in themselves – their self-efficiency and self-control.

Lessons learned from the Vietnam War: Individual resilience due to the atrocities of war is increased by societal support of such a war. I have not found studies to evidence my previous statement, but I remember seeing pictures from Vietnam veterans coming finally back home and being called “baby killer” by fellow citizens. I felt awful for those soldiers. Here, lacking societal support has probably diminished resilience. Societal understanding, support, and an appreciation for their tremendous individual effort also in form of benefits and present services may already act as a preventive agent.

Conclusion
Biological entities, psychological phenomena, and the reciprocity of the human-environment relationship are at work in regard to mental well-being. Adverse social conditions like warfare may or may not culminate into mental health problems like trauma depending on existing or lacking biological, psychological and social determinates. Nevertheless, those who suffer need every support they can get from their society.


Environmental Psychology: Stress, Stressors, and its Management

Donnerstag, 23. Februar 2012 - 19:37

“Stress is an unavoidable part of life” and is one of the most frequently researched issues within environmental psychology. Thus, this article evaluates the effect of environmental stressors on individuals. Part of the analysis is the definition of the concept of stress and an explanation of the physiology and psychology of stress provides the necessary information to understand the construct of stress. I selected three environmental stressors and evaluate the affect of those stressors on the individual. Those stressors are: temperature, chemical pollution, and noise. At last, the discussion of strategies to manage those three environmental stressors provides some examples to minimize the impact of environmental stressors on humans. Hier weiterlesen »


Angststörungen: Kennen Sie die Zeichen?

Sonntag, 08. Mai 2011 - 15:23

Angst ist eine Emotion, die gekennzeichnet ist durch Gefühle der Anspannung, sorgenvollen Gedanken und körperlichen Veränderungen, wie z.B. Bluthochdruck, Herzklopfen, Nervosität, Verspannungen oder Kurzatmigkeit. Menschen mit Angststörungen haben meistens wiederkehrende und aufdringliche Gedanken oder ängstliche Bedenken. Manche versuchen gewisse Situationen oder Objekte zu vermeiden und es kann sein, dass sie dabei auch körperliche Symptome wie Schwitzen, Zittern, Schwindel oder einen schnellen Herzschlag verspüren. Hier weiterlesen »


Somatoforme Störungen

Donnerstag, 24. März 2011 - 13:50

Psychotherapie bei somatoformen Störungen wirksamer als medizinische Standardbehandlung

Die somatoformen Störungen  zählen zu den häufigsten Gründen für den Besuch bei Allgemein- oder Fachmedizinern. Andere Bezeichnungen für somatoforme Störungen sind psychosomatische Störungen, funktionelle Störungen oder psychische Überlagerung. Trotz sorgfältigster Untersuchungen wird aber keine organische Ursache für die körperlichen Beschwerden der Betroffenen gefunden. Dabei stehen neben Allgemeinsymptomen wie Erschöpfung und Müdigkeit Schmerzsymptome an vorderster Stelle, gefolgt von Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, neurologischen oder sexuellen Symptomen (JournalMed, 2011). Hier weiterlesen »


 

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